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Miesmuscheln aus dem niedersächsischen Wattenmeer

LAVES untersucht Miesmuscheln auf Viren, mikrobielle und chemische Beschaffenheit


Muscheln Bildrechte: © LAVES

Seit Jahrzehnten werden Miesmuscheln aus den niedersächsischen Erzeugungsgebieten angepasst auf etablierte sowie aktuelle Erfordernisse intensiv überwacht.

Zur Vermeidung einer Lebensmittelinfektion durch Noroviren sind die Zubereitungshinweise zu beachten und Miesmuscheln grundsätzlich nicht roh, sondern nur gut durchgegart zu verzehren.

2024 umfassen die molekularbiologischen Untersuchungen der Miesmuscheln aus niedersächsischen Erzeugungsgebieten 28 Proben. Gemäß dem Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) zur Muschelhygieneüberwachung wurden die Muscheln im Institut für Fische und Feiereierzeugnisse (IFF) Cuxhaven auf das Vorkommen von Viren untersucht.

In sechs (21 Prozent) der untersuchten Proben konnte Norovirus der Genogruppe I nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um Proben mit einem Entnahmedatum im Januar, Februar und Dezember. In ebenfalls sechs Proben (21 Prozent) konnte Norovirus der Genogruppe II ermittelt werden, welche im Januar, Februar, März und November aus den Erzeugungsgebieten des niedersächsischen Wattenmeeres entnommen wurden. In vier Proben (14 Proben) konnte ein gleichzeitiges Vorkommen von Norovirus der Genogruppe I und II ermittelt werden. Weiterhin waren alle Proben negativ in Hinblick auf das Hepatitis-A-Virus.

Im Vergleich zu den Untersuchungen von 2021 hat der Nachweis von pathogenen Viren somit leicht zugenommen.

Noroviren werden in die Genogruppen I bis V (1 bis 5) eingeteilt. Nur die Gruppen I, II und IV können bei Menschen Infektionen auslösen.

Miesmuscheln ernähren sich durch die Filtration von Meerwasser. Kommen in der direkten Umgebung der Tiere Viren vor, können diese in der Muschel akkumulieren. Die Muscheln können daher – im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln – bereits vor der Ernte ohne eine direkte Übertragung durch den Menschen mit Viren kontaminiert sein.

Bei unzureichender Erhitzung von Miesmuscheln, welche mit Noro- und/oder Hepatitis-A-Viren behaftet sind, kann bei Verzehr eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher/-innen bestehen.

Miesmuschelernte Bildrechte: © LAVES, U. Ballin
Miesmuschelernte

Frühere Untersuchungen

Im Jahr 2021 umfassten die mikrobiologischen Untersuchungen im IFF Cuxhaven des LAVES der niedersächsischen Erzeugungsgebiete gemäß Erlass zur Muschelhygieneüberwachung 108 Proben Miesmuscheln.

Die Mittelwerte der mikrobiellen Kontamination mit E. coli (160 MPN/100g) belegen deren sehr gute Beschaffenheit. Über dem Grenzwert der A-Klassifizierung liegende Werte für E. coli wurden in einer Probe nachgewiesen. Entgegen der für Wintermonate beschriebenen Häufung höherer E.-coli Werte wurde diese auch im Sommer beobachtet. Salmonellen wurden nicht nachgewiesen.

In Ergänzung zu den mikrobiologischen Untersuchungen wurden 2021 49 Proben auf Viren und Vibrionen untersucht. Letztere sind Bakterien, die in salzigen Gewässern vorkommen und unter anderem Durchfallerkrankungen, Wundinfektionen oder eine Blutvergiftung auslösen können. Bei allen der 49 Proben wurden Vibrionen nachgewiesen, wobei in 30 Proben zwei oder mehrere Vibrionenspezies ermittelt wurden. Bezüglich pathogener Spezies wurde in 47 Proben V. parahaemolyticus, allerdings ohne Toxingene, und in 3 Proben zudem die bislang seltene Spezies V. metschnikovii nachgewiesen. Aus vier Proben wurde V. cholerae non-01/non-0139 und aus einer Probe V. vulnificus isoliert.

Insgesamt 43 Proben Miesmuscheln wurden auf marine Biotoxine (DSP, PSP, ASP) untersucht. In keiner der Proben gab es Grenzwertüberschreitungen. Es wurden keine toxinproduzierenden Algen in den untersuchten 28 Meerwasser-Proben nachgewiesen.

Je Erzeugungsgebiet werden einmal jährlich Untersuchungen auf Quecksilber (Hg), Cadmium (Cd) und Blei (Pb) durchgeführt. Im Mittel wurden 0,033 mg/kg Hg, 0,13 mg/kg Cd und 0,24 mg/kg Pb gemessen. Die Belastung von Miesmuscheln mit Pb und Cd ist zwar höher als die von Seefischen, die Höchstwerte wurden jedoch nicht überschritten. Die ermittelten Quecksilbergehalte sind vergleichbar mit denen von Seefischen wie Seelachs oder Hering und liegen weit unter dem zulässigen Höchstwert.

Als organische Kontaminanten wurden DDT und seine Metaboliten sowie nicht-dioxinähnliche PCB 101, PCB 138 und PCB 153 nachgewiesen. Die Konzentrationen dieser Verbindungen lagen deutlich unterhalb der Höchstmengen.

Die Gehalte der Radionuklide Cäsium-137, Cäsium-134, Jod-131 sowie Strontium-90 lagen unterhalb der jeweiligen Bestimmungsgrenze und damit weit unterhalb der Höchstwerte.

Wie in den Jahren davor wurde in keiner Probe das Hepatitis-A-Virus nachgewiesen. Im Gegensatz zu den Jahren zuvor konnte im Jahr 2021 in keiner Probe Norovirus der Genogruppe I und II nachgewiesen werden. Grund hierfür könnte die Corona-Pandemie mit den damit einhergehenden Kontakt- und Reisebeschränkungen sein. Das Abstandhalten, das Tragen der Mund- und Nasenbedeckung und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen (AHA-Formel) vermindert auch die Ausbreitung anderer Infektionskrankheiten, wie in diesem Fall die Norovirus-Infektion. Treten weniger Norovirus-Infektionen auf, befinden sich weniger Noroviren in Abwässern und damit schlussendlich im Meer.

Die Miesmuscheln aus niedersächsischen Erzeugungsgebieten waren im Jahr 2021 mit wenigen Ausnahmen mikrobiologisch unauffällig und sehr gering mit Kontaminanten belastet. Es gingen nur in wenigen Fällen gesundheitliche Gefahren durch pathogene Erreger von ihnen aus. Zur Vermeidung einer Lebensmittelinfektion durch Noroviren sind die Zubereitungshinweise zu beachten und Miesmuscheln nicht roh, sondern nur gut durchgegart zu verzehren.
Miesmuscheln Bildrechte: © kitchenkiss - Fotolia.com
Frühere Untersuchungen (PDF nicht barrierefrei)

  Untersuchungen von Miesmuscheln 2014 bis 2020
(PDF, 0,13 MB)

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